Geschichte

1908: Einführung des Begriffes „Inborn Errors of Metabolism“ von Garrod
Er erkannte den Zusammenhang zwischen Genfunktion und Enzymen.

1917: Beschreib von chemischen Merkmalen der Phenylbrenztraubensäure in einer Arbeit von Hemerlé.

1922/1923: Vermutungen über Stoffwechselweg von Phenylalanin zu Tyrosin, jedoch mit Verlauf über Phenylpyruvat durch Dakin (1922) und Krebs (1933).


1932: Mehr Wissensgewinnung über den Metabolismus von Phenylbrenztraubensäure durch Kaninchenuntersuchungen von Lewis und Chandler.

1934: Erstbeschreibung Föllings der PKU als Krankheit, die genetisch bedingt ist. Damals hatte er die PKU bei zwei schwerst behinderten Geschwistern entdeckt bzw. diagnostiziert.
Doktor Fölling bemerkte auch, dass der zu hohe Phe-Spiegel im Blut einen direkten Zusammenhang mit den Hirnschädigungen der Patienten hat.

1938: Nachweis eines über die Norm erhöhten Phenylalanin-Wertes im Blut und im Urin der mit dem Eisen-(III)-Chloridtest diagnostizierten PKU- Betroffenen. Dieser Nachweis wurde von Fölling und Closs gemacht.

1944: Nachweis von Bernheim, dass Phenylalanin, nicht wie bisher vermutet, zu Brenztraubensäure umgewandelt wird, sondern zu Tyrosin.

1951: Beschreibung der atypischen PKU durch Cowie.

1952: Udenfried und Cooper weisen das Enzymsystem, in welchem das Phenylalanin zu Tyrosin umgewandelt wird, nach.

1953: Die biochemische Ursache der PKU wird von G. A. Jervis durch das Fehlen der Phenylalanin-4’-Hydroxylase beschrieben.

1953/1954: Bickel und seine Mitarbeiter weisen auf den entscheidenden Weg zur Therapie der PKU hin – eine eiweissarme Kost mit berechneter Zufuhr von Phenylalanin.

1956: Der so genannte Heterozygotentest entstand von Hshia und Knox.

1963: Der noch heute bekannte und gebrauchte Guthrie-Test entstand unter Guthrie und Susi als Grundlage für ein Massenscreening von PKU.

1963: Nachweis der Phenylalanin-Oxydation durch Kaufmann.

Mitte 80-er: Beweis der Abhängigkeit des Phenylalanin-Blutspiegels von den Störungen im Neurotransmitterstoffwechsel und akuten EEG-Veränderungen, bei frühbehandelten Patienten nach Diätlockerung oder -beendigung.
Nachweis anderer neurologischen Merkmalen im Erwachsenenalter bei Patienten, welche in ihrer Jugend nicht genügend gut auf die Diät geachtet hatten: verlängerte Reaktions- und Nervenleitgeschwindigkeit, Konzentrationsstörungen, Störungen des komplexen Denkens.

In den 90-er: Nachweis der Abhängigkeit vom Phenylalaninspiegel und den Myelinstoffwechsel. Zudem werden zwei erhöhte Substanzkonzentrationen im Gehirn von PKU-Betroffenen mit hohem Phe-Spiegel gemessen und Studien aufgedeckt, welche besagen, dass Störungen der audiovisuellen Informationsverarbeitung bei PKU-Betroffenen nach Lockerung der Diät eintreten.
Die so genannte milde Form der PKU, bei der noch drei bis sechs Prozent der normalen Aktivität der Phenylalanin-Hydroxylase in der Leber nachzuweisen ist, wird von klassischen PKU abgegrenzt. (Kaufmann, 1983)

Bis heute ist, trotz den zahlreichen Studien, inklusive Tierexperimenten, noch vieles ungeklärt. Auch die lebenslange Diättherapie ist nicht als absolut notwendig nachgewiesen. Die Ärzte sind sich noch im Unklaren darüber, wie sich eine Diätabsetzung im Erwachsenenalter auswirken könnte. Man glaubte, dass sich das Gehirn nach der Pubertät fertig entwickelt hat, doch weiss man heute, dass bis ins hohe Alter von 80 Jahren weitere Entwicklungen und Veränderungen der Gehirnsubs-tanzen geschehen. Der Grund, weshalb noch nichts Genaueres über die Länge der Diättherapie bekannt ist, geht aus der noch kurzen Behandlungsphase hervor. Die ältesten PKUler, welche seit Geburt behandelt wurden, sind erst etwa 30 Jahre alt. Daher kann man über das Leben im Erwachsenenalter eines PKU-Betroffenen, bei welchem nach der Geburt PKU diagnostiziert und behandelt wurde, noch nichts aussagen. Sicherheitshalber empfehlen die Ärzte eine lebenslängliche Diät.